PoWi-Leistungskurs der Claus-von-Stauffenberg-Schule auf Studienfahrt in Brüssel

Im Politikunterricht der Qualifikationsphase kommt das Thema Europa häufig zu kurz, obwohl es immer mehr an Bedeutung gewinnt. Deshalb machte sich letzte Woche ein Politik- und Wirtschaftsleistungskurs der Claus-von Stauffenberg-Schule Rodgau auf den Weg nach Brüssel, um sich direkt vor Ort ein Bild von der EU und ihren Institutionen zu machen. Im Gepäck der Schülerinnen und Schüler befanden sich eine Reihe an Fragen, die sich – wie zu erwarten – viel um den Rechtspopulismus in Europa drehten: Wie wird mit Rechtspopulisten und EU-Kritikern im EU-Parlament umgegangen? Wie ist die die Gefahr einzuschätzen, dass ein weiteres Land aus der EU austreten möchte? Aber auch Fragen zu Flüchtlings- und Außenpolitik sowie der mangelnden Popularität der EU interessierten die Jugendlichen.

Der erste offizielle Termin war in der Vertretung des Landes Hessen bei der EU, eine Organisation, die durch die ihre Präsenz in Brüssel versucht, die hessischen Interessen zu vertreten. Immerhin werden über zwei Drittel der Entscheidungen, die das tägliche Leben der Menschen in Hessen betrifft, auf europäischer Ebene getroffen. In einer Gesprächsrunde mit dem Zuständigen für die Angelegenheiten des Hessischen Kultusministeriums ging es vorrangig um das Erasmus-Austauschprogramm und die angekündigte Verdoppelung der Mittel für dieses, sowie die Verlosung von 15.000 Interrail-Tickets für 18-Jährige EU-Bürger. Interessiert lauschten die Schüler einem Mann, der auf die europäische Politik Einfluss nimmt, ohne dabei im Rampenlicht zu stehen.

Anschließend ging es direkt in das Europäische Parlament, um dort einen der sieben Abgeordneten aus Hessen zu treffen. Thomas Mann (CDU) erzählte zunächst von seiner Ausschussarbeit und betonte deren Transparenz, da alle Sitzungen – im Gegensatz zum Bundestag – öffentlich per Live-Stream im Internet verfolgt werden können. Einen Schwerpunkt legte er auf einen Sonderausschuss des Parlaments mit der Aufgabe, Finanzkriminalität, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung zu untersuchen und vorzubeugen. Darauf folgten auch eine Reihe Fragen der Jugendlichen, die sich insbesondere um den Rechtpopulismus in der EU, dem Umgang mit den Flüchtlingen und der Außen- und Wirtschaftspolitik drehten. Der Europaabgeordnete, der seit 1994 im Europäischen Parlament sitzt, fand klare Antworten gegen Kräfte, die gegen die EU arbeiten, und Nationalismus. Er rechtfertigte das EU-Türkei-Abkommen und forderte Deutschland auf, Macrons EU-Pläne zu unterstützen. Die Schüler waren beeindruckt von den deutlichen Worten des Politikers und überrascht, dass dieser anscheinend mit dem Kommissionpräsidenten Jean-Claude Juncker und der Kanzlerin Angela Merkel per Du ist.

Der Höhepunkt der Studienfahrt stellte das Rollenspiel im Parlamentarium dar. In dieser Simulation schlüpften die Schüler in die Rolle von Mitgliedern des EU-Parlaments und wurden politischen Parteien zugeordnet. Dann wurden sie mit zwei Vorschlägen der Kommission konfrontiert: einer Wasserschutzrahmenrichtlinie zum Schutze von Süßwasser in der EU und einer Implementierung von Microchips für mehr Sicherheit. Innerhalb von zweieinhalb Stunden arbeiteten die Jugendlichen mediengestützt in Fraktionen zusammen, führten an interaktiven Bildschirmen Interviews, sammelten Informationen und tauschten sich aus. Sie mussten aber auch Reden halten, Pressekonferenzen geben, in Ausschüssen diskutieren und natürlich abstimmen. Wie auch in der Realität ärgerte sie zum Schluss noch der Ministerrat. Die Teilnehmer waren schon am Anfang von der Professionalität sowie Komplexität des Spieles überrascht und fanden sich schnell in ihre Rollen ein. Am Ende haben sie hautnah die Arbeit der EU kennengelernt und werden diese Erkenntnisse und Erfahrungen nicht so schnell vergessen. In einer abschließenden Evaluation stellten sie fest, wie anstrengend die Arbeit Mitglieds des Parlaments ist. Erschöpft aber zufrieden traten sie ihre Heimreise nach Rodgau an.

Auf der Dachterrasse der Hessischen Landesvertretung im Europaviertel (©Hessische Landesvertretung)

Abstimmung im Parlament während des Rollenspieles

Im Parlament während des Rollenspiels

Pressekonferenz während des Rollenspieles

 

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