{"id":188,"date":"2012-02-24T20:57:21","date_gmt":"2012-02-24T20:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.cvss.de\/?page_id=188"},"modified":"2014-06-16T21:58:22","modified_gmt":"2014-06-16T19:58:22","slug":"namensgebung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/?page_id=188","title":{"rendered":"Namensgebung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Claus Graf Schenk von Stauffenberg<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Stra\u00dfen sind wohl nach den M\u00e4nnern des zwanzigsten Juli benannt, aber wer kann heute auch nur sagen, wer das war, nach dem sie benannt sind?&#8220; Golo Mann (1)<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-531\" title=\"claus1\" src=\"\/medien\/uploads\/2012\/02\/claus1.jpg\" alt=\"\" width=\"93\" height=\"124\" \/>Claus Graf Schenk von Stauffenberg wurde am 15.11.1907 als dritter Sohn eines im Dienste des w\u00fcrttembergischen K\u00f6nigs Wilhelm II. stehenden Oberhofmarschalls geboren. Die Mutter war eine geb. Gr\u00e4fin Uxkull-Gyllenband und Urenkelin Gneisenaus. Die Kindheit der Stauffenberg-Br\u00fcder verlief sorglos und entsprechend der gehobenen Stellung des Familienoberhauptes (nach der Novemberrevolution wurde er Pr\u00e4sident der Rentenkammer und mit der Verwaltung des k\u00f6niglichen Privatverm\u00f6gens beauftragt) frei von materieller Not. Wie seine Br\u00fcder besuchte Claus das humanistische Gymnasium, das er 1926 mit dem Abitur abschloss. W\u00e4hrend der Schulzeit schlossen Claus und sein Bruder Berthold sich den &#8222;Neupfadfindern&#8220; an, einer der deutschnationalen Wandervogelbewegung verwandten Gruppe, die &#8222;eine kulturrevolution\u00e4re Auflehnung gegen Spie\u00dfertum und Muckertum der alten Generationen&#8220; (2)proklamierte. Hier wurden die Stauffenberg-Br\u00fcder auch mit dem Werk Stefan Georges bekannt, das an den Lagerfeuern und Heimabenden der b\u00fcndischen Jugendbewegung nach dem Weltkrieg viel gelesen wurde. George hatte einen Kreis von Auserw\u00e4hlten um sich versammelt, in dem er seine Gedichte vortrug. Diesem Kreis traten im Jahre 1923 &#8211; Claus war 16 Jahre alt &#8211; auch die Br\u00fcder Stauffenberg bei. Sie haben bis zu ihrem Tode Stefan George, dem &#8222;Meister&#8220;, gro\u00dfe Verehrung entgegengebracht. Nach dem Titel eines Gedichtes von George aus dem Band &#8222;Das neue Reich&#8220; soll sich die Widerstandsgruppe um Stauffenberg in den Jahren 1943\/44 &#8222;Geheimes&#8220; oder &#8222;Heimliches Deutschland&#8220; genannt haben.(3) Was mag Claus von Stauffenberg, den sp\u00e4teren Widerstandsk\u00e4mpfer gegen Hitler, zu einer derartig intensiven und lebenslangen geistigen Beziehung zu diesem eigenartigen Dichter-Propheten verleitet haben, den manche &#8211; einschlie\u00dflich der Nationalsozialisten selber &#8211; f\u00fcr einen geistigen Wegbereiter des &#8222;Dritten Reiches&#8220; halten und von dem \u00fcberliefert ist, dass er Ende der zwanziger Jahre dem &#8222;Mut jenes Mannes&#8220; (er meinte Adolf Hitler) seine Anerkennung aussprach, &#8222;der da in S\u00fcddeutschland der vertrockneten b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, den Anh\u00e4ngern der Tagesbl\u00e4tter und den wohlgen\u00e4hrten Volksvertretern die Wahrheit sagte&#8220; (4). &#8211; Stefan George und sein Kreis kultivierten den Weltschmerz der anspruchsvollen Subjektivit\u00e4t: &#8222;Nur niedere herrschen noch \/ die edlen starben: \/ verschwemmt ist glaube und verdorrt ist liebe &#8230;&#8220; Hier ist kein kritisches Urteil \u00fcber die verschm\u00e4hte gesellschaftliche Realit\u00e4t bezweckt; hier geht es um die wohlgesetzte Artikulation der moralischen Sensibilit\u00e4t des au\u00dferordentlichen Individuums. So &#8211; nicht durch das Anprangern konkreter gesellschaftlicher Missst\u00e4nde &#8211; erhebt Dichtung nach dem Verst\u00e4ndnis Georges Anspruch auf absolute G\u00fcltigkeit und der Dichter Anspruch auf bedingungslos anzuerkennende F\u00fchrerschaft. Von dieser hochmoralischen Warte aus erscheint die b\u00fcrgerliche Welt als niedrig, spie\u00dfig, primitiv, materialistisch, bestimmt vom gesichtslosen Massenmenschen und ohne jene geistige F\u00fchrung, als deren potentielle Repr\u00e4sentanten sich die Mitglieder des George-Kreises empfanden. Dieser elit\u00e4re Anspruch, einem neuen, auf Grund seiner Moralit\u00e4t zur F\u00fchrung berufenen Adel anzugeh\u00f6ren, hat nicht zuletzt einen Claus von Stauffenberg nachhaltig beeinflusst; seine Offizierskarriere wie seine Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des Putschversuches vollzog er im Bewusstsein selbstgew\u00e4hlter Pflichten: Dienst an der Allgemeinheit, Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft, Hingabe an Ideale, Verantwortung f\u00fcr das Ganze. Aber w\u00e4hrend ein George f\u00fcr die braunen Kolonnen Hitlers nur elit\u00e4re Verachtung \u00fcbrig hatte, also an der dem Dichter eigenen radikalen Trennung von Kritik und praktischem Eingreifen festhielt, rang sich sein ehemaliger &#8222;J\u00fcnger&#8220; Stauffenberg am Ende zu der Entscheidung durch, dem Regime, dem er im Namen jener Ideale treu gedient hatte, den bedingungslosen Kampf anzusagen.Die Entscheidung des achtzehnj\u00e4hrigen Abiturienten, die Offizierslaufbahn einzuschlagen, widersprach seinen sch\u00f6ngeistigen Neigungen nur vordergr\u00fcndig: f\u00fcr ihn war der &#8222;gebildete Offizier&#8220;, bei dem sich im Sinne des humanistischen Bildungsideals Geist und Tat zur Harmonie verbinden, der Menschentypus, zu dem er sich berufen f\u00fchlte. Als Offizier glaubte er am besten der &#8222;Allgemeinheit&#8220; nutzen zu k\u00f6nnen. 1926 trat er in die Reichswehr ein und stieg bis 1933 zum Oberleutnant auf. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten hat Stauffenberg positiv aufgenommen, da er ihr Programm des nationalen Aufbruchs, d.h. der Herstellung einer deutschen Volksgemeinschaft und der Wiederherstellung der deutschen Gro\u00dfmacht, teilte. Die &#8211; notwendig &#8211; gewaltsame Durchsetzung dieser nationalistischen Ideale &#8211; Gleichschaltung, Sozialistenverfolgung, Arbeitsfront, massive Aufr\u00fcstung &#8211; scheinen von Stauffenberg grunds\u00e4tzlich bejaht worden zu sein, wenn er die jeweils praktizierten Methoden der Nationalsozialisten, vor allem ihre Behandlung der Juden, auch als stillos ablehnte. Es wird berichtet, dass er und einer seiner Freunde in Bamberg demonstrativ eine Nazikundgebung verlie\u00dfen,&#8220; weil der Redner, Julius Streicher, sich in w\u00fcsten Beschimpfungen der Juden erging und dabei &#8211; in Anwesenheit von BDM-M\u00e4dchen &#8211; in einen absto\u00dfenden sexuellen Jargon verfiel.&#8220; (5) Hitlers erfolgreiche L\u00f6sung der &#8222;deutschen Frage&#8220;, die Herstellung des Gro\u00dfdeutschen Reiches unter Einschluss des Saargebietes (1935), \u00d6sterreichs (1938) und des Sudetenlandes (1938) hat Stauffenberg wie alle national empfindenden Deutschen mit Stolz und Respekt vor dem F\u00fchrer erf\u00fcllt. Das von Angeh\u00f6rigen der NSDAP und der SA durchgef\u00fchrte und von der deutschen Bev\u00f6lkerung weitgehend geduldete Pogrom der sogenannten Reichskristallnacht musste einen Mann wie Stauffenberg moralisch ersch\u00fcttern. Er empfand diese Terrorakte, wie sein Biograph Wolfgang Venohr formulierte, &#8222;als Schandfleck auf dem deutschen Ehrenschild&#8220;. (6) Der junge Offizier sah sich bei aller Entt\u00e4uschung \u00fcber den Mangel an Moralit\u00e4t im deutschen Volk in der Georgeanischen Anschauung best\u00e4tigt, dass die Masse der F\u00fchrung und des Vorbilds einer ritterlichen Elite bed\u00fcrfe.Stauffenberg nahm mit seiner Division (6. Panzerdivision) im September 1939 am Krieg in Polen teil. Er hatte den Krieg nicht gew\u00fcnscht aber nun, wo er einmal begonnen hatte, wollte er in ihm seine milit\u00e4rische Pflicht tun. Dass er dabei seiner ritterlichen Moral treu blieb, zeigt ein Vorfall in den ersten Tagen des Polenfeldzugs: &#8222;In Wielun meldete ein aufgeregter Feldwebel seinem vorgesetzten Offizier, zwei polnische Frauen h\u00e4tten von einem Dachboden aus mit Taschenlampen das feindliche Artilleriefeuer gelenkt. Der Offizier reagierte achselzuckend mit der Bemerkung: &#8218;Ach, weg damit!` Der Feldwebel verstand das als Exekutionsbefehl und lie\u00df die beiden Frauen kurzerhand erschie\u00dfen, die &#8211; wie sich dann nachtr\u00e4glich herausstellte &#8211; geistig Behinderte und zu einer Signalgebung gar nicht f\u00e4hig gewesen waren. Der Rittmeister Stauffenberg, als er von der Erschie\u00dfung h\u00f6rte, eilte zornentbrannt zu seinem Divisionskommandeur und sorgte daf\u00fcr, dass der Offizier vor ein Kriegsgericht kam und degradiert wurde. Dieser Offizier war ein Duzfreund Stauffenbergs gewesen.&#8220; (7)Stauffenbergs Begeisterung \u00fcber den deutschen Sieg \u00fcber Frankreich, an dem er ebenfalls beteiligt war, schlug sehr bald in eine scharfe Kritik der seiner Auffassung nach unw\u00fcrdigen Behandlung dieses Landes durch die deutschen Machthaber um. Hitler nannte er 1940 Halder gegen\u00fcber einen &#8222;Sieger ohne Gef\u00fchl und Augenma\u00df&#8220; (8). Halden als Generalstabschef Nachfolger des f\u00fchrenden Kopfes des seit 1939 existierenden milit\u00e4rischen Widerstandskreises gegen Hitler, des Generalobersten Beck, hatte Stauffenberg mit den Argumenten dieser zum Putsch gegen Hitler entschlossenen Gruppe in den Jahren 1940\/41 konfrontiert. Das zentrale Argument, Hitler f\u00fchre einen aussichtslosen, d.h. nicht zu gewinnenden, folglich sinnlosen, weil Macht und Ansehen der Nation aufs Spiel setzenden, Krieg und sei durch gute Worte von seinem Wahn nicht abzubringen &#8211; dieses Argument scheint Stauffenberg bereits zu diesem Zeitpunkt beeindruckt zu haben. Allerdings war er in den Jahren 1940\/41 nicht zum aktiven Widerstand bereit. &#8222;Noch siegt er zu sehr&#8220;, soll er im Fr\u00fchjahr 1941 in diesem Zusammenhang mit Bezug auf Hitler gesagt haben. (9)Nach dem Angriff auf die Sowjetunion, v.a. seit der Winterschlacht 1941\/42, als sich der erhoffte Totalerfolg der deutschen Ostarmee nicht einstellte, ein Sieg \u00fcber die Rote Armee zweifelhaft wurde und sich auch an den anderen Fronten eine Ver\u00e4nderung der milit\u00e4rischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse zuungunsten Deutschlands abzeichnete, neigte Stauffenberg immer mehr zu dem Gedanken eines aktiven Vorgehens zur Beseitigung Hitlers. Es war die Verkn\u00fcpfung dreier moralischer Ma\u00dfst\u00e4be, die Stauffenberg zum entschlossenen Gegner Hitlers machte: 1. die Idee des sauberen Krieges, mit der sich sein National- und Offiziersstolz verband; 2. das Ehrgef\u00fchl des Berufsoffiziers, der sich von einem hysterischen Zivilisten nicht herumkommandieren lassen will; 3. und entscheidend: die ganz gew\u00f6hnliche nationalistische Erfolgsmoral, die Hitler die Schuld an der sich abzeichnenden milit\u00e4rischen Niederlage, insbesondere gegen den Hauptfeind Sowjetunion, zuwies: &#8222;Es waren vor allem die Kenntnisse von den Verbrechen an der Zivilbev\u00f6lkerung und an den sowjetischen Kriegsgefangenen, die Meldungen \u00fcber die schweren und nicht mehr auszugleichenden Verluste an der Ostfront, die Nachrichten vom Steckenbleiben der deutschitalienischen Offensive vor der El-Alamein-Stellung in Nordafrika und schlie\u00dflich das immer h\u00e4ufigere Eingreifen Hitlers in den Kampfverlauf und seine Beschimpfungen von Gener\u00e4len und Offizieren, die in Stauffenberg diesen Gedanken verst\u00e4rkten. Hinzu kam: Im Herbst 1942 wurde offenkundig, dass die Ziele der deutschen Offensive infolge des hartn\u00e4ckigen sowjetischen Widerstandes im Raum Stalingrad und an der Kaukasusfront nicht erreicht werden konnten.&#8220; (10)Stauffenberg begann Hitler, der diesen Krieg r\u00fccksichtslos gegen jeden milit\u00e4rstrategischen und politischen Sachverstand vorantreibe, als einen Verbrecher an der nationalen Sache zu sehen. W\u00e4hrend eines Morgenrittes im August 1942 soll er erregt ausgerufen haben: &#8222;Findet sich denn da dr\u00fcben im F\u00fchrerhauptquartier kein Offizier, der das Schwein mit der Pistole umlegt?&#8220; (11) Er forderte: &#8222;Wen Amt und Ehre in einen f\u00fchrenden Rang r\u00fccken, der komme an einen Punkt, wo Mann und Aufgabe zusammenfallen und keine anderen R\u00fccksichten mehr g\u00e4lten: er habe f\u00fcr den Sinn des Ganzen zu stehen.&#8220; (12)Zum Oberstleutnant bef\u00f6rdert, trat Stauffenberg im Februar 1943 als Stabschef der 10. Panzerdivision seinen Dienst an, die im Fr\u00fchjahr 1943 in Tunesien in schweren K\u00e4mpfen gegen englisch-amerikanische Truppenverb\u00e4nde stand. Am 7. April 1943 wurde der Wagen Stauffenbergs von englischen Tieffliegern angegriffen und er selbst schwer verwundet. Er hatte das linke Auge, zwei Finger der linken Hand und die ganze rechte Hand verloren. Den durch die schwere Verwundung m\u00f6glichen Abschied aus der Wehrmacht lehnte er ab: &#8222;Ich habe das Gef\u00fchl, dass ich jetzt etwas tun muss, um das Reich zu retten&#8220;, erkl\u00e4rte er seiner Frau noch im M\u00fcnchener Lazarett. (13) Er war fest entschlossen, von nun an mit seiner ganzen Kraft f\u00fcr die Beseitigung des F\u00fchrers zu arbeiten: &#8222;Ich k\u00f6nnte den Frauen und Kindern der Gefallenen nicht in die Augen sehen, wenn ich nicht alles t\u00e4te, diese sinnlosen Menschenopfer zu verhindern.&#8220; (14)Seit Sommer 1943 in Verbindung mit den Widerstandskreisen um die hohen Offiziere Beck, Olbricht, Witzleben, Treschkow u.a. sowie dem Kreis um Goerdeler, arbeitete Stauffenberg, seit September 1943 Stabchef im Allgemeinen Heeresamt, den Attentatsplan aus, den er, der sich in diesen Monaten zum entscheidenden Organisator und politischen Kopf des milit\u00e4rischen Widerstandes entwickelte, schlie\u00dflich selbst mit einer Bombe im F\u00fchrerhauptquartier bei Rastenburg \/ Ostpreu\u00dfen am 20. Juli 1944 durchf\u00fchrte. Das Attentat gegen den F\u00fchrer war als Ausl\u00f6ser eines bis ins Detail vorbereiteten Milit\u00e4rputsches gegen das Naziregime (einschlie\u00dflich der Verhaftung seiner ma\u00dfgeblichen politischen und milit\u00e4rischen Repr\u00e4sentanten, der Besetzung der Rundfunkanlagen etc.) und der anschlie\u00dfenden Macht\u00fcbernahme durch erwiesene zivile Regimegegner im gesamten Reich geplant. Die Aktivit\u00e4ten Stauffenbergs haben entscheidend dazu beigetragen, dass der Staatsstreich am 20. Juli sich auf etwa 170 Eingeweihte st\u00fctzen konnte, davon die H\u00e4lfte Offiziere. Die gro\u00dfe Masse der deutschen Bev\u00f6lkerung, ob an der milit\u00e4rischen oder an der Heimatfront, hat erst nachtr\u00e4glich, nach dem Scheitern des Putsches, von der Existenz dieser Widerstandsgruppen in den oberen Etagen der gesellschaftlichen Hierarchie erfahren &#8211; und hat in ihrer Mehrheit mit patriotischer Emp\u00f6rung gegen\u00fcber diesen &#8222;Hochverr\u00e4tern&#8220; reagiert. Dass der Erfolg des Putsches vom Erfolg des Attentats auf Hitler abh\u00e4ngig sein w\u00fcrde, haben die Verschw\u00f6rer vorausgesehen. Sie haben den nationalen Wahn, der sich angesichts der Kapitulationsforderung der milit\u00e4risch \u00fcberlegenen &#8222;Feindm\u00e4chte&#8220; noch im Bombenhagel an die Person des F\u00fchrers band, in diesem Punkt richtig eingesch\u00e4tzt. Dass andererseits auch der Geist des Widerstandes vom 20. Juli nationalistische Z\u00fcge tr\u00e4gt, bezeugen alle historischen Dokumente. Von keinem der M\u00e4nner des Widerstandes ist eine Kritik des deutschen Frontsoldaten \u00fcberliefert, der die Idee der Volksgemeinschaft wahr machte, indem er r\u00fccksichtslos gegen &#8222;den Feind&#8220;, sich selbst und seine Angeh\u00f6rigen sich f\u00fcr F\u00fchrer und Vaterland in die Bresche warf. Ihre Kritik und Rebellion richtete sich nicht gegen den Krieg und die ihm zugrundeliegenden deutschen Gro\u00dfmachtanspr\u00fcche, sondern gegen eine falsche (= unverantwortliche) Kriegsf\u00fchrung, die den errungenen milit\u00e4rischen Erfolg durch Unf\u00e4higkeit (= Charakterlosigkeit) verspielt habe.Becks f\u00fcr den Tag des Attentats s vorbereiteter &#8218;Aufruf an die Wehrmacht&#8216; ist f\u00fcr die Geisteshaltung der M\u00e4nner des 20. Juli bezeichnend: &#8222;Soldaten! Tapfer und todesmutig habt Ihr vier Jahre hindurch gek\u00e4mpft, ohne je zu verzagen, allen Gefahren trotzend, unbek\u00fcmmert um alle M\u00fchen und Leiden, nur durchdrungen von eisernem Pflichtgef\u00fchl und gl\u00fchender Liebe zu Volk und Vaterland. Keine Aufgabe war Euch zu schwer, kein Opfer zu gro\u00df. Erf\u00fcllt von dem Glauben, der Krieg sei gerecht und notwendig, um das nach dem ersten Weltkrieg geschehene Unrecht wieder gutzumachen und unsere Freiheit zu sichern, seid Ihr in den Kampf gezogen. Zu Lande, in der Luft und auf der See habt Ihr Gewaltiges geleistet und den Lorbeer der Un\u00fcberwindlichkeit an Eure Fahnen geheftet. Und trotzdem ist ein Ende des Krieges nicht abzusehen. Eure Heimkehr zu Frau und Kindern, nach Haus und Hof zu friedlicher Arbeit scheint in weite Ferne ger\u00fcckt zu sein. Ihr werdet Euch selbst schon oft genug gefragt haben, wie das zu erkl\u00e4ren ist. Antwort habt Ihr nicht gefunden. Denn eine Propaganda, die vor keiner L\u00fcge zur\u00fcckschreckt, mit Eurem Heldenmut und Eurem Leben gewissenlos spielt, hat Euch den Blick getr\u00fcbt. In Wirklichkeit ist die Antwort klar und einfach: Eine Staatsf\u00fchrung, die die Politik nicht mehr als die Kunst des M\u00f6glichen ansieht und die Erreichung ihrer Ziele nicht mit sparsamstem Kr\u00e4fteeinsatz anstrebt, sondern in phantastischen Pl\u00e4nen grenzenloser Eroberungen schwelgt, die \u00fcberhaupt keine sittlichen Bindungen weder dem eigenen noch einem anderen Volke gegen\u00fcber anerkennt, kann niemals zu einem Frieden mit den \u00fcbrigen V\u00f6lkern gelangen. (&#8230;)Ein Weiteres noch droht Euch um den Erfolg Eurer Siege zu bringen, die Ihr unter der F\u00fchrung geschulter und erfahrener M\u00e4nner erfochten habt: das &#8218;Feldherrngenie&#8216; Hitlers, das er in wahnwitziger Verblendung sich selbst angema\u00dft hat und das ihm von Speichelleckern aufs Widerlichste angehimmelt worden ist. Wer einen Stiefel besohlen will, muss es gelernt haben. Wer ein Millionenheer f\u00fchren will, muss die F\u00e4higkeit dazu auf den verschiedenen Stufenleitern harten milit\u00e4rischen Dienstes erlernt und bewiesen haben. (&#8230;) Wir m\u00fcssen handeln, weil &#8211; und das wirkt am schwersten &#8211; in Eurem R\u00fccken Verbrechen begangen wurden, die den Ehrenschild des deutschen Volkes beflecken und seinen in der Welt erworbenen guten Ruf besudeln Selbsts\u00fcchtige Kreaturen in hohen und h\u00f6chsten Stellen haben sie zugelassen oder gar selbst begangen. Sie haben den Krieg dazu benutzt, sich schamlos auf Kosten des eigenen und fremder V\u00f6lker zu bereichern und aus der Not der Armen und dem Elend der Ungl\u00fccklichen Nutzen zu ziehen. Diese M\u00e4nner haben sich nicht gescheut, sich mit dem Ruhm Eurer Heldentat zu br\u00fcsten, ohne dass sie selbst den Krieg je im Leben gesp\u00fcrt haben. (&#8230;)&#8220; (IS)Die Kriegsopfer sollten weitergehen nach dem 20. Juli 1944, nach erfolgreichem Tyrannenmord, aber &#8222;nur die zur Verteidigung des Vaterlandes und zum Wohle des Volkes notwendigen&#8220; und sachkundig befohlenen. So endet der Aufruf des Widerstandes an den deutschen Soldaten mit der trostreichen Zuversicht: &#8222;Ich vertraue, dass Front und Heimat, alle vereint in gesammelter Kraft, weiter ihre Pflicht bis zum \u00c4u\u00dfersten tun in Demut vor Gott, f\u00fcr Ehre und Freiheit, f\u00fcr Volk und Vaterland.&#8220; (16)Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde noch am Abend des 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und kurz nach Mitternacht zusammen mit drei Mitverschw\u00f6rern im Hof ihres Hauptquartiers in Berlin (Bendlerstra\u00dfe) durch zehn Unteroffiziere des Wachbataillons &#8222;Gro\u00dfdeutschland&#8220; erschossen.<\/p>\n<p><strong>Quellenangaben<\/strong><\/p>\n<p>1) Golo Mann, Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Ffm 1958<br \/>\n2) Wolfgang Venohr, Stauffenberg, Ffm\/Berlin 1986, S. 35<br \/>\n3) Kurt Finker, Stauffenberg und der 20. Juli 1944, K\u00f6ln 1977, S.25<br \/>\n4) Stefan George, zit. n. Venohr, a.a.0., S. 40<br \/>\n5) Finker, S. 69<br \/>\n6) Venohr, S. 105<br \/>\n7) Venohr, S. 118<br \/>\n8) zit. n. Finker, S. 131<br \/>\n9) zit. n. Finker, S. 133<br \/>\n10) Finker, S. 137 f<br \/>\n11) zit. n. Finker, S. 138<br \/>\n12) zit. n. Finker, S. 141<br \/>\n13) zit. n. Finker, S. 145<br \/>\n14) ib.<br \/>\n15) Beck, Aufruf an die Wehrmacht (20.7.1944), zit. n. Ripper (Hg.), Weltgeschichte im Aufriss, Bd. 3\/1, Ffm 1976, S. 48o f<br \/>\n16) ib., S. 482<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claus Graf Schenk von Stauffenberg &#8222;Stra\u00dfen sind wohl nach den M\u00e4nnern des zwanzigsten Juli benannt, aber wer kann heute auch nur sagen, wer das war, nach dem sie benannt sind?&#8220; Golo Mann (1)Claus Graf Schenk von Stauffenberg wurde am 15.11.1907 als dritter Sohn eines im Dienste des w\u00fcrttembergischen K\u00f6nigs Wilhelm [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":186,"menu_order":33,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"sidebar-page.php","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"class_list":["post-188","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=188"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/188\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3216,"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/188\/revisions\/3216"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claus-von-stauffenberg-schule.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}