Namensgebung

Claus Graf Schenk von Stauffenberg

„Straßen sind wohl nach den Männern des zwanzigsten Juli benannt, aber wer kann heute auch nur sagen, wer das war, nach dem sie benannt sind?“ Golo Mann (1)Claus Graf Schenk von Stauffenberg wurde am 15.11.1907 als dritter Sohn eines im Dienste des württembergischen Königs Wilhelm II. stehenden Oberhofmarschalls geboren. Die Mutter war eine geb. Gräfin Uxkull-Gyllenband und Urenkelin Gneisenaus. Die Kindheit der Stauffenberg-Brüder verlief sorglos und entsprechend der gehobenen Stellung des Familienoberhauptes (nach der Novemberrevolution wurde er Präsident der Rentenkammer und mit der Verwaltung des königlichen Privatvermögens beauftragt) frei von materieller Not. Wie seine Brüder besuchte Claus das humanistische Gymnasium, das er 1926 mit dem Abitur abschloss. Während der Schulzeit schlossen Claus und sein Bruder Berthold sich den „Neupfadfindern“ an, einer der deutschnationalen Wandervogelbewegung verwandten Gruppe, die „eine kulturrevolutionäre Auflehnung gegen Spießertum und Muckertum der alten Generationen“ (2)proklamierte. Hier wurden die Stauffenberg-Brüder auch mit dem Werk Stefan Georges bekannt, das an den Lagerfeuern und Heimabenden der bündischen Jugendbewegung nach dem Weltkrieg viel gelesen wurde. George hatte einen Kreis von Auserwählten um sich versammelt, in dem er seine Gedichte vortrug. Diesem Kreis traten im Jahre 1923 – Claus war 16 Jahre alt – auch die Brüder Stauffenberg bei. Sie haben bis zu ihrem Tode Stefan George, dem „Meister“, große Verehrung entgegengebracht. Nach dem Titel eines Gedichtes von George aus dem Band „Das neue Reich“ soll sich die Widerstandsgruppe um Stauffenberg in den Jahren 1943/44 „Geheimes“ oder „Heimliches Deutschland“ genannt haben.(3) Was mag Claus von Stauffenberg, den späteren Widerstandskämpfer gegen Hitler, zu einer derartig intensiven und lebenslangen geistigen Beziehung zu diesem eigenartigen Dichter-Propheten verleitet haben, den manche – einschließlich der Nationalsozialisten selber – für einen geistigen Wegbereiter des „Dritten Reiches“ halten und von dem überliefert ist, dass er Ende der zwanziger Jahre dem „Mut jenes Mannes“ (er meinte Adolf Hitler) seine Anerkennung aussprach, „der da in Süddeutschland der vertrockneten bürgerlichen Gesellschaft, den Anhängern der Tagesblätter und den wohlgenährten Volksvertretern die Wahrheit sagte“ (4). – Stefan George und sein Kreis kultivierten den Weltschmerz der anspruchsvollen Subjektivität: „Nur niedere herrschen noch / die edlen starben: / verschwemmt ist glaube und verdorrt ist liebe …“ Hier ist kein kritisches Urteil über die verschmähte gesellschaftliche Realität bezweckt; hier geht es um die wohlgesetzte Artikulation der moralischen Sensibilität des außerordentlichen Individuums. So – nicht durch das Anprangern konkreter gesellschaftlicher Missstände – erhebt Dichtung nach dem Verständnis Georges Anspruch auf absolute Gültigkeit und der Dichter Anspruch auf bedingungslos anzuerkennende Führerschaft. Von dieser hochmoralischen Warte aus erscheint die bürgerliche Welt als niedrig, spießig, primitiv, materialistisch, bestimmt vom gesichtslosen Massenmenschen und ohne jene geistige Führung, als deren potentielle Repräsentanten sich die Mitglieder des George-Kreises empfanden. Dieser elitäre Anspruch, einem neuen, auf Grund seiner Moralität zur Führung berufenen Adel anzugehören, hat nicht zuletzt einen Claus von Stauffenberg nachhaltig beeinflusst; seine Offizierskarriere wie seine Vorbereitung und Durchführung des Putschversuches vollzog er im Bewusstsein selbstgewählter Pflichten: Dienst an der Allgemeinheit, Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft, Hingabe an Ideale, Verantwortung für das Ganze. Aber während ein George für die braunen Kolonnen Hitlers nur elitäre Verachtung übrig hatte, also an der dem Dichter eigenen radikalen Trennung von Kritik und praktischem Eingreifen festhielt, rang sich sein ehemaliger „Jünger“ Stauffenberg am Ende zu der Entscheidung durch, dem Regime, dem er im Namen jener Ideale treu gedient hatte, den bedingungslosen Kampf anzusagen.Die Entscheidung des achtzehnjährigen Abiturienten, die Offizierslaufbahn einzuschlagen, widersprach seinen schöngeistigen Neigungen nur vordergründig: für ihn war der „gebildete Offizier“, bei dem sich im Sinne des humanistischen Bildungsideals Geist und Tat zur Harmonie verbinden, der Menschentypus, zu dem er sich berufen fühlte. Als Offizier glaubte er am besten der „Allgemeinheit“ nutzen zu können. 1926 trat er in die Reichswehr ein und stieg bis 1933 zum Oberleutnant auf. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten hat Stauffenberg positiv aufgenommen, da er ihr Programm des nationalen Aufbruchs, d.h. der Herstellung einer deutschen Volksgemeinschaft und der Wiederherstellung der deutschen Großmacht, teilte. Die – notwendig – gewaltsame Durchsetzung dieser nationalistischen Ideale – Gleichschaltung, Sozialistenverfolgung, Arbeitsfront, massive Aufrüstung – scheinen von Stauffenberg grundsätzlich bejaht worden zu sein, wenn er die jeweils praktizierten Methoden der Nationalsozialisten, vor allem ihre Behandlung der Juden, auch als stillos ablehnte. Es wird berichtet, dass er und einer seiner Freunde in Bamberg demonstrativ eine Nazikundgebung verließen,“ weil der Redner, Julius Streicher, sich in wüsten Beschimpfungen der Juden erging und dabei – in Anwesenheit von BDM-Mädchen – in einen abstoßenden sexuellen Jargon verfiel.“ (5) Hitlers erfolgreiche Lösung der „deutschen Frage“, die Herstellung des Großdeutschen Reiches unter Einschluss des Saargebietes (1935), Österreichs (1938) und des Sudetenlandes (1938) hat Stauffenberg wie alle national empfindenden Deutschen mit Stolz und Respekt vor dem Führer erfüllt. Das von Angehörigen der NSDAP und der SA durchgeführte und von der deutschen Bevölkerung weitgehend geduldete Pogrom der sogenannten Reichskristallnacht musste einen Mann wie Stauffenberg moralisch erschüttern. Er empfand diese Terrorakte, wie sein Biograph Wolfgang Venohr formulierte, „als Schandfleck auf dem deutschen Ehrenschild“. (6) Der junge Offizier sah sich bei aller Enttäuschung über den Mangel an Moralität im deutschen Volk in der Georgeanischen Anschauung bestätigt, dass die Masse der Führung und des Vorbilds einer ritterlichen Elite bedürfe.Stauffenberg nahm mit seiner Division (6. Panzerdivision) im September 1939 am Krieg in Polen teil. Er hatte den Krieg nicht gewünscht aber nun, wo er einmal begonnen hatte, wollte er in ihm seine militärische Pflicht tun. Dass er dabei seiner ritterlichen Moral treu blieb, zeigt ein Vorfall in den ersten Tagen des Polenfeldzugs: „In Wielun meldete ein aufgeregter Feldwebel seinem vorgesetzten Offizier, zwei polnische Frauen hätten von einem Dachboden aus mit Taschenlampen das feindliche Artilleriefeuer gelenkt. Der Offizier reagierte achselzuckend mit der Bemerkung: ‚Ach, weg damit!` Der Feldwebel verstand das als Exekutionsbefehl und ließ die beiden Frauen kurzerhand erschießen, die – wie sich dann nachträglich herausstellte – geistig Behinderte und zu einer Signalgebung gar nicht fähig gewesen waren. Der Rittmeister Stauffenberg, als er von der Erschießung hörte, eilte zornentbrannt zu seinem Divisionskommandeur und sorgte dafür, dass der Offizier vor ein Kriegsgericht kam und degradiert wurde. Dieser Offizier war ein Duzfreund Stauffenbergs gewesen.“ (7)Stauffenbergs Begeisterung über den deutschen Sieg über Frankreich, an dem er ebenfalls beteiligt war, schlug sehr bald in eine scharfe Kritik der seiner Auffassung nach unwürdigen Behandlung dieses Landes durch die deutschen Machthaber um. Hitler nannte er 1940 Halder gegenüber einen „Sieger ohne Gefühl und Augenmaß“ (8). Halden als Generalstabschef Nachfolger des führenden Kopfes des seit 1939 existierenden militärischen Widerstandskreises gegen Hitler, des Generalobersten Beck, hatte Stauffenberg mit den Argumenten dieser zum Putsch gegen Hitler entschlossenen Gruppe in den Jahren 1940/41 konfrontiert. Das zentrale Argument, Hitler führe einen aussichtslosen, d.h. nicht zu gewinnenden, folglich sinnlosen, weil Macht und Ansehen der Nation aufs Spiel setzenden, Krieg und sei durch gute Worte von seinem Wahn nicht abzubringen – dieses Argument scheint Stauffenberg bereits zu diesem Zeitpunkt beeindruckt zu haben. Allerdings war er in den Jahren 1940/41 nicht zum aktiven Widerstand bereit. „Noch siegt er zu sehr“, soll er im Frühjahr 1941 in diesem Zusammenhang mit Bezug auf Hitler gesagt haben. (9)Nach dem Angriff auf die Sowjetunion, v.a. seit der Winterschlacht 1941/42, als sich der erhoffte Totalerfolg der deutschen Ostarmee nicht einstellte, ein Sieg über die Rote Armee zweifelhaft wurde und sich auch an den anderen Fronten eine Veränderung der militärischen Kräfteverhältnisse zuungunsten Deutschlands abzeichnete, neigte Stauffenberg immer mehr zu dem Gedanken eines aktiven Vorgehens zur Beseitigung Hitlers. Es war die Verknüpfung dreier moralischer Maßstäbe, die Stauffenberg zum entschlossenen Gegner Hitlers machte: 1. die Idee des sauberen Krieges, mit der sich sein National- und Offiziersstolz verband; 2. das Ehrgefühl des Berufsoffiziers, der sich von einem hysterischen Zivilisten nicht herumkommandieren lassen will; 3. und entscheidend: die ganz gewöhnliche nationalistische Erfolgsmoral, die Hitler die Schuld an der sich abzeichnenden militärischen Niederlage, insbesondere gegen den Hauptfeind Sowjetunion, zuwies: „Es waren vor allem die Kenntnisse von den Verbrechen an der Zivilbevölkerung und an den sowjetischen Kriegsgefangenen, die Meldungen über die schweren und nicht mehr auszugleichenden Verluste an der Ostfront, die Nachrichten vom Steckenbleiben der deutschitalienischen Offensive vor der El-Alamein-Stellung in Nordafrika und schließlich das immer häufigere Eingreifen Hitlers in den Kampfverlauf und seine Beschimpfungen von Generälen und Offizieren, die in Stauffenberg diesen Gedanken verstärkten. Hinzu kam: Im Herbst 1942 wurde offenkundig, dass die Ziele der deutschen Offensive infolge des hartnäckigen sowjetischen Widerstandes im Raum Stalingrad und an der Kaukasusfront nicht erreicht werden konnten.“ (10)Stauffenberg begann Hitler, der diesen Krieg rücksichtslos gegen jeden militärstrategischen und politischen Sachverstand vorantreibe, als einen Verbrecher an der nationalen Sache zu sehen. Während eines Morgenrittes im August 1942 soll er erregt ausgerufen haben: „Findet sich denn da drüben im Führerhauptquartier kein Offizier, der das Schwein mit der Pistole umlegt?“ (11) Er forderte: „Wen Amt und Ehre in einen führenden Rang rücken, der komme an einen Punkt, wo Mann und Aufgabe zusammenfallen und keine anderen Rücksichten mehr gälten: er habe für den Sinn des Ganzen zu stehen.“ (12)Zum Oberstleutnant befördert, trat Stauffenberg im Februar 1943 als Stabschef der 10. Panzerdivision seinen Dienst an, die im Frühjahr 1943 in Tunesien in schweren Kämpfen gegen englisch-amerikanische Truppenverbände stand. Am 7. April 1943 wurde der Wagen Stauffenbergs von englischen Tieffliegern angegriffen und er selbst schwer verwundet. Er hatte das linke Auge, zwei Finger der linken Hand und die ganze rechte Hand verloren. Den durch die schwere Verwundung möglichen Abschied aus der Wehrmacht lehnte er ab: „Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt etwas tun muss, um das Reich zu retten“, erklärte er seiner Frau noch im Münchener Lazarett. (13) Er war fest entschlossen, von nun an mit seiner ganzen Kraft für die Beseitigung des Führers zu arbeiten: „Ich könnte den Frauen und Kindern der Gefallenen nicht in die Augen sehen, wenn ich nicht alles täte, diese sinnlosen Menschenopfer zu verhindern.“ (14)Seit Sommer 1943 in Verbindung mit den Widerstandskreisen um die hohen Offiziere Beck, Olbricht, Witzleben, Treschkow u.a. sowie dem Kreis um Goerdeler, arbeitete Stauffenberg, seit September 1943 Stabchef im Allgemeinen Heeresamt, den Attentatsplan aus, den er, der sich in diesen Monaten zum entscheidenden Organisator und politischen Kopf des militärischen Widerstandes entwickelte, schließlich selbst mit einer Bombe im Führerhauptquartier bei Rastenburg / Ostpreußen am 20. Juli 1944 durchführte. Das Attentat gegen den Führer war als Auslöser eines bis ins Detail vorbereiteten Militärputsches gegen das Naziregime (einschließlich der Verhaftung seiner maßgeblichen politischen und militärischen Repräsentanten, der Besetzung der Rundfunkanlagen etc.) und der anschließenden Machtübernahme durch erwiesene zivile Regimegegner im gesamten Reich geplant. Die Aktivitäten Stauffenbergs haben entscheidend dazu beigetragen, dass der Staatsstreich am 20. Juli sich auf etwa 170 Eingeweihte stützen konnte, davon die Hälfte Offiziere. Die große Masse der deutschen Bevölkerung, ob an der militärischen oder an der Heimatfront, hat erst nachträglich, nach dem Scheitern des Putsches, von der Existenz dieser Widerstandsgruppen in den oberen Etagen der gesellschaftlichen Hierarchie erfahren – und hat in ihrer Mehrheit mit patriotischer Empörung gegenüber diesen „Hochverrätern“ reagiert. Dass der Erfolg des Putsches vom Erfolg des Attentats auf Hitler abhängig sein würde, haben die Verschwörer vorausgesehen. Sie haben den nationalen Wahn, der sich angesichts der Kapitulationsforderung der militärisch überlegenen „Feindmächte“ noch im Bombenhagel an die Person des Führers band, in diesem Punkt richtig eingeschätzt. Dass andererseits auch der Geist des Widerstandes vom 20. Juli nationalistische Züge trägt, bezeugen alle historischen Dokumente. Von keinem der Männer des Widerstandes ist eine Kritik des deutschen Frontsoldaten überliefert, der die Idee der Volksgemeinschaft wahr machte, indem er rücksichtslos gegen „den Feind“, sich selbst und seine Angehörigen sich für Führer und Vaterland in die Bresche warf. Ihre Kritik und Rebellion richtete sich nicht gegen den Krieg und die ihm zugrundeliegenden deutschen Großmachtansprüche, sondern gegen eine falsche (= unverantwortliche) Kriegsführung, die den errungenen militärischen Erfolg durch Unfähigkeit (= Charakterlosigkeit) verspielt habe.Becks für den Tag des Attentats s vorbereiteter ‚Aufruf an die Wehrmacht‘ ist für die Geisteshaltung der Männer des 20. Juli bezeichnend: „Soldaten! Tapfer und todesmutig habt Ihr vier Jahre hindurch gekämpft, ohne je zu verzagen, allen Gefahren trotzend, unbekümmert um alle Mühen und Leiden, nur durchdrungen von eisernem Pflichtgefühl und glühender Liebe zu Volk und Vaterland. Keine Aufgabe war Euch zu schwer, kein Opfer zu groß. Erfüllt von dem Glauben, der Krieg sei gerecht und notwendig, um das nach dem ersten Weltkrieg geschehene Unrecht wieder gutzumachen und unsere Freiheit zu sichern, seid Ihr in den Kampf gezogen. Zu Lande, in der Luft und auf der See habt Ihr Gewaltiges geleistet und den Lorbeer der Unüberwindlichkeit an Eure Fahnen geheftet. Und trotzdem ist ein Ende des Krieges nicht abzusehen. Eure Heimkehr zu Frau und Kindern, nach Haus und Hof zu friedlicher Arbeit scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Ihr werdet Euch selbst schon oft genug gefragt haben, wie das zu erklären ist. Antwort habt Ihr nicht gefunden. Denn eine Propaganda, die vor keiner Lüge zurückschreckt, mit Eurem Heldenmut und Eurem Leben gewissenlos spielt, hat Euch den Blick getrübt. In Wirklichkeit ist die Antwort klar und einfach: Eine Staatsführung, die die Politik nicht mehr als die Kunst des Möglichen ansieht und die Erreichung ihrer Ziele nicht mit sparsamstem Kräfteeinsatz anstrebt, sondern in phantastischen Plänen grenzenloser Eroberungen schwelgt, die überhaupt keine sittlichen Bindungen weder dem eigenen noch einem anderen Volke gegenüber anerkennt, kann niemals zu einem Frieden mit den übrigen Völkern gelangen. (…)Ein Weiteres noch droht Euch um den Erfolg Eurer Siege zu bringen, die Ihr unter der Führung geschulter und erfahrener Männer erfochten habt: das ‚Feldherrngenie‘ Hitlers, das er in wahnwitziger Verblendung sich selbst angemaßt hat und das ihm von Speichelleckern aufs Widerlichste angehimmelt worden ist. Wer einen Stiefel besohlen will, muss es gelernt haben. Wer ein Millionenheer führen will, muss die Fähigkeit dazu auf den verschiedenen Stufenleitern harten militärischen Dienstes erlernt und bewiesen haben. (…) Wir müssen handeln, weil – und das wirkt am schwersten – in Eurem Rücken Verbrechen begangen wurden, die den Ehrenschild des deutschen Volkes beflecken und seinen in der Welt erworbenen guten Ruf besudeln Selbstsüchtige Kreaturen in hohen und höchsten Stellen haben sie zugelassen oder gar selbst begangen. Sie haben den Krieg dazu benutzt, sich schamlos auf Kosten des eigenen und fremder Völker zu bereichern und aus der Not der Armen und dem Elend der Unglücklichen Nutzen zu ziehen. Diese Männer haben sich nicht gescheut, sich mit dem Ruhm Eurer Heldentat zu brüsten, ohne dass sie selbst den Krieg je im Leben gespürt haben. (…)“ (IS)Die Kriegsopfer sollten weitergehen nach dem 20. Juli 1944, nach erfolgreichem Tyrannenmord, aber „nur die zur Verteidigung des Vaterlandes und zum Wohle des Volkes notwendigen“ und sachkundig befohlenen. So endet der Aufruf des Widerstandes an den deutschen Soldaten mit der trostreichen Zuversicht: „Ich vertraue, dass Front und Heimat, alle vereint in gesammelter Kraft, weiter ihre Pflicht bis zum Äußersten tun in Demut vor Gott, für Ehre und Freiheit, für Volk und Vaterland.“ (16)Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde noch am Abend des 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und kurz nach Mitternacht zusammen mit drei Mitverschwörern im Hof ihres Hauptquartiers in Berlin (Bendlerstraße) durch zehn Unteroffiziere des Wachbataillons „Großdeutschland“ erschossen.

Quellenangaben

1) Golo Mann, Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Ffm 1958
2) Wolfgang Venohr, Stauffenberg, Ffm/Berlin 1986, S. 35
3) Kurt Finker, Stauffenberg und der 20. Juli 1944, Köln 1977, S.25
4) Stefan George, zit. n. Venohr, a.a.0., S. 40
5) Finker, S. 69
6) Venohr, S. 105
7) Venohr, S. 118
8) zit. n. Finker, S. 131
9) zit. n. Finker, S. 133
10) Finker, S. 137 f
11) zit. n. Finker, S. 138
12) zit. n. Finker, S. 141
13) zit. n. Finker, S. 145
14) ib.
15) Beck, Aufruf an die Wehrmacht (20.7.1944), zit. n. Ripper (Hg.), Weltgeschichte im Aufriss, Bd. 3/1, Ffm 1976, S. 48o f
16) ib., S. 482